(R)LA Vorname Name Datum des Entwurfs
Straße Hausr.
PLZ Ort
Tel.
Fax

Unterrichtsentwurf
anlässlich eines Unterrichtsbesuchs
im Fach Sozialkunde

Bestandteile der Unterrichtsplanung:

1.    Aufbau der Unterrichtseinheit / Einordnung der Stunde
2.    Ziele der Stunde
3.    Lernvoraussetzungen / Bedingungsanalyse
3.1  in Bezug auf die Klassensituation
3.2  in Bezug auf die Inhalte
3.3  in Bezug auf die Arbeits- und Sozialformen
4.    Sachanalyse
5.    Begründungen zur Didaktik / Didaktische Analyse
5.1  in Bezug auf die Rahmenrichtlinien
5.2  in Bezug auf das Fach
5.3 in Bezug auf die SchülerInnen
6.   Begründungen zur Methode / Methodische Analyse
7.   Verlaufsplanung
8.   Anlagen (Arbeitsblätter, geplantes Tafelbild, Schülermaterialien, Texte,...)   - nicht beigefügt -

Klasse: 5c der OS am Schulzentrum... (o.ä., ggf. mit Schulzweighinweis)
Fach: GSW
am: Datum
Zeit: 3. Unterrichtsstunde (9.55 Uhr bis 10.40 Uhr)
 
 

Thema der Unterrichtseinheit:

"Wir leben mit Menschen anderer Kulturkreise zusammen"




Thema der Unterrichtsstunde:

"Lebensgefühl in der Fremde"



Ausbildungsseminar Aurich
PS-LeiterIn Soundso
Fachseminarltr.: Herr Freitag
SchulleiterIn: Soundso
FachlehrerIn: Soundso
 



1. Aufbau der Unterrichtseinheit/ Einordnung der Stunde

1. Stunde : Erwartungen an das Thema

2.-5. Stunde : Das Leben der anderen in ihrer Heimat

6. Stunde : Lebensgefühl in der Fremde

7. Stunde : Woher kommen die Fremden?

8. Stunde : Menschen verlassen ihre Heimat    - Fluchtursachen -

9. Stunde : Schwierigkeiten des Lebens zwischen zwei Kulturen

10./11. Stunde : Ablehnung der Fremden

12./13. Stunde : Maßnahmen gegen die Ausländerfeindlichkeit

14./15. Stunde : Unser ausländischer Alltag

16./17. Stunde : Vorbereiten und Durchführen eines abschließenden Klassenfestes zum Thema der Unterrichtseinheit



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 


2. Ziele der Unterrichtsstunde

Grobziel

Die SchülerInnen sollen versuchen, sich in die Situation einer/s Fremden einzufühlen, und sie sollen das Lebensgefühl in der Fremde mit möglichst eigenen Worten beschreiben und begründen.

Feinziele

Die SchülerInnen sollen

FZ1: sich auf eine vorgetragene Erzählung einlassen und versuchen, sich in die Situation einer/s Fremden hineinzuversetzen und sich dazu äußern.

FZ2: sich, angeregt durch ein Bild, das den Umriß eines Kinderkopfes darstellt, möglichst in die Person hineindenken 1 .

FZ3: aus vorgegebenen Gefühlsbegriffen die ihrem "Gefühl nach" passenden Begriffe zu der vorgetragenen Situation (Geschichte und Bild) heraussuchen und ggf. begründen.

FZ4: in Gruppenarbeit unter Hinzunahme der ausgewählten Begriffe die eigenen Gefühle des Fremdseins konkretisieren, in Sätzen formulieren und diese in die Gedankenblasen des Arbeitsblattes und zusätzlich noch auf großformatige Gedankenblasen übertragen.

FZ5: ihre Gruppenergebnisse in Form von Standbildern und Zeigen der großformatigen Gedankenblasen ihren MitschülerInnen präsentieren und dabei in der Lage sein, ihre Ergebnisse mit denen der anderen Gruppen auf Deckungsgleichheit zu überprüfen.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 



3. Lernvoraussetzungen/ Bedingungsanalyse

3.1 in Bezug auf die Klassensituation

Ich unterrichte die Klasse 5b im Fach WUK mit drei Wochenstunden seit Beginn des Schuljahres 1997/98.

Die Klasse setzt sich aus 12 Mädchen und 14 Jungen zusammen. Die Kinder sind im Durchschnitt 11 bis 12 Jahre alt. Inna ist bereits 13 und Vlora und André sind 14 Jahre alt.

Sechs Kinder stammen nicht aus Deutschland: Dogan kommt aus der Türkei, Vlora kommt aus Jugoslawien, Inna, Regina, Galina und Eugen kommen aus Rußland. Sprachprobleme aufgrund ihrer Herkunft haben diese SchülerInnen nicht, da sie bereits seit längerem hier in Deutschland leben.

Die Lerngruppe ist insgesamt motiviert und engagiert. Die meisten SchülerInnen beteiligen sich aktiv an der Unterrichtsgestaltung und beschaffen sich teilweise ohne Aufforderung Zusatzinformationen.

Die leistungsstarken SchülerInnen dieser Klasse sind Ilka, Irina, Addo, Jan- Michael, Lennart, Sven, Inna, Ingo, Ulrike, Christian und Dogan, die sich mit kreativen Beiträgen besonders aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligen und gute bis sehr gute Leistungen zeigen. Auch Eugen, Tomke, Sabrina E., Henning, Ines, Regina und Steve, die im befriedigenden Bereich der Klasse liegen, tragen zum Unterrichtsfortgang bei.Jörg, Galina, Danny, Matthias, Vlora, Martina, André und Sabrina T. zählen zu den leistungsschwächeren SchülerInnen der Klasse, die zwar relativ ruhig sind, aber dennoch dem Unterrichtsgeschehen aufmerksam folgen.

Die Lerngruppe im Fach WUK ist insgesamt als recht lebhaft zu betrachten, was vermutlich daran liegt, daß allein zwei der drei Wochenstunden WUK in der 5. Stunde liegen, in der wohl die meisten SchülerInnen nicht mehr so konzentriert arbeiten können wie beispielsweise in den ersten beiden Schulstunden.

Auffallend ist, daß vor allem aus dem Bereich der leistungsstarken SchülerInnen sechs Jungen (Sven, Dogan, Addo, Jan- Michael, Lennart und Ingo) im Unterricht sehr leicht abgelenkt sind und dadurch zeitweise den Unterricht stören.

Einmaliges Ermahnen bzw. intensives Ansehen dieser Schüler genügt in den meisten Fällen, um ihr störendes Verhalten zu beseitigen. Wenn beispielsweise nach durchgeführter Gruppenarbeit die Zwischenergebnisse im Sitzkreis zusammengetragen werden und Sven - wie alle anderen SchülerInnen auch - die Arbeit ja noch nicht beendet hat, ist er nur sehr schwer dazu bewegen, seine Arbeit abzubrechen und sich auch in den Sitzkreis zu begeben. Nach Aussagen der Klassenlehrerin liegt dieses Verhalten vermutlich daran, daß er als Einzelkind jedes Mal seinen Willen bekommt und somit auch in der Schule nicht bereit ist einzulenken.

Dogan weist in dieser Lerngruppe das auffälligste Verhalten auf. Er verweigert oftmals die Arbeit und hält seine MitschülerInnen von ihrer Arbeit ab, was nach Rücksprache mit der Klassenlehrerin auch in anderen Fächern der Fall ist. Wenn man sich dann mit ihm im Einzelgespräch darüber unterhält, verteidigt er sich oftmals "einfach" damit, daß es doch klar sei, daß er Ärger bekomme, da er ja schließlich Ausländer sei und die Lehrer etwas gegen Ausländer hätten.

Bei dieser Unterrichtseinheit zeigt sich Dogan sehr interessiert. Er ist aufmerksam und leistet gute bis sehr gute Beiträge, was sicherlich darauf zurückzuführen ist, daß er sich bei diesem Thema in starkem Maße direkt angesprochen fühlt. Auch sein Bemühen um sorgfältige Arbeitsweise deutet auf sein großes Interesse hin. Die Motivation, die vom Thema ausgeht, wirkt sich stark auf seine Lernbereitschaft und damit auf seine Leistungen aus.

Matthias ist Außenseiter in dieser Klasse, was vermutlich daran liegt, daß er von sich aus niemanden anspricht und oftmals vor sich herträumt.

Um ihn die Klassengemeinschaft zu integrieren, bin ich stets um Partner- oder Gruppenarbeit bemüht. Bisher mußte ich ihn als einzigen in der Klasse bei der Gruppenarbeit einer Gruppe zuordnen, da seine MitschülerInnen ihn "freiwillig" nicht aufnehmen. Mittlerweile, was wohl auch an der kürzlich stattgefundenen Klassenfahrt liegt, gibt es da keine Probleme mehr.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 



3.2 in Bezug auf die Inhalte

Die in dieser Unterrichtsstunde zu behandelnden Inhalte zum "Lebensgefühl in der Fremde" sind den SchülerInnen aus dem bisherigen WUK- Unterricht nicht bekannt.

Schließlich geht es hier nicht vorrangig um kognitive Elemente, sondern um die ganz eigenen emotionalen, zu denen man kein kognitives Vorwissen benötigt.

Ihre "Vorkenntnisse" hinsichtlich dieses Stundenthemas bestehen daher lediglich in ihren eigenen, bisher selbst gemachten Erfahrungen zum Fremdsein. An dieser Stelle werden sich vor allem die SchülerInnen direkt angesprochen fühlen und vermutlich nur wenig Probleme haben, sich in das Lebensgefühl der Fremde hineinzuversetzen und dieses zu versprachlichen, die selbst als Fremde nach Deutschland gekommen sind.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 



3.3 in Bezug auf die Arbeits- und Sozialformen

Den SchülerInnen ist die Lehrererzählung als solche zu Beginn einer Stunde vertraut. Allerdings ist es teilweise noch problematisch für einige SchülerInnen, der Erzählung aufmerksam zu folgen bzw. sich auf eine solche Geschichte einzulassen. Sie reagieren durch spontanes und teilweise auch albernes Kommentieren des Erzählten. Aus diesem Grunde ist es meistens erforderlich, die SchülerInnen vorher darauf aufmerksam zu machen, daß sie ihre MitschülerInnen nicht ablenken und einfach nur still der Geschichte folgen sollen.

Im allgemeinen haben sie keine Probleme, sich spontan - in diesem Falle nach der Erzählung - zu äußern. Oftmals ist es sogar so, daß darauf geachtet werden muß, daß alle SchülerInnen dem Unterricht aufmerksam folgen und ihren MitschülerInnnen zuhören und nicht einfach alle "durcheinanderreden".

Das Zuordnen bestimmter Wortkarten ist nur im Zusammenhang mit dem Anheften von Bildkarten zu Begriffen bekannt. Das Auswählen einiger zu einem Bild passender Begriffe ist ihnen somit zwar neu, dürfte aber nicht zu Schwierigkeiten führen, da die Begriffe recht eindeutig sind.

Gruppenarbeit tauchte bisher in vielen Phasen des WUK- Unterrichts auf. Es muß stets darauf geachtet werden, daß die SchülerInnen einer Gruppe auch wirklich gemeinsam arbeiten. Auf das richtige Verhalten bei der Gruppenarbeit muß immer hingewiesen werden.

Das Formulieren von Gedanken bzw. Gefühlen in Sprech- bzw. Gedankenblasen kennen die SchülerInnen, und auch das Präsentieren dieser Gedanken bzw. Gefühle in Form eines Standbildes haben sie bereits durchgeführt.

Im Vorfeld ist es aber noch notwendig, auf Ruhe während der Bauphase hinzuweisen. Manchmal sind sie nicht mit der richtigen Arbeitshaltung bei der Sache. Allgemein besitzen sie keine Ängste, sich frei vor der Klasse zu äußern.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 



4. Sachanalyse

Das Fremde oder die Fremdheit sind Begriffe, die - wie jeder aus eigener Erfahrung auch weiß - mit Angst, Abwehr, Bedrohung, aber auch mit Interesse, Neugier und Bereicherung verbunden sind, "das Fremde fasziniert" also auch.

Doch zunächst zu den erst genannten Gefühlsreaktionen. Daß das Fremde Angst verursacht, liegt wohl mit an seiner Erscheinungsform. E. Wiesel (1994) meint: Es "kam ungebeten, [...] also stört es, es ist aus dem Nichts aufgetaucht [...] und nimmt einem anderen den Platz", es ist "geheimnisumwoben". Es ist das "Unbekannte, das Verbotene und das Ausgegrenzte". Entscheidend für die Ablehnung des Fremden ist aber ein Grund, der mit "der Frage nach der eigenen Identität" zusammenhängt, denn - für viele wohl gar nicht bewußt - stellt das Fremde unsere eigene Rolle in Frage: Was wir als Werte ansehen und was uns Sicherheit gibt, erweist sich häufig als "schichtenspezifische Normalitätsvorstellung", die den "eigenen Lebensalltag [für] absolut" setzt. Allein schon in unserer eigenen Gesellschaft versuchen wir ja, diesen Normen zu entsprechen, indem wir bestimmte Dinge, die davon abweichen, z.B. überspielen oder verschweigen, wie schlechte familiäre Verhältnisse, Armut und dergleichen. Da wir schließlich alle - in der Fremde - Fremde sind, müssen Normalitätsvorstellungen, die andere - auch uns - zu Fremden "machen", hinterfragt und durchschaut werden. Man muß sich "mit sich selbst und den eigenen Widersprüchen auseinander[...]setzen". Die "Frage nach der eigenen Identität und der Selbstbestimmung bzw. dem Selbstbewußtsein in dieser Welt" muß gestellt werden.

Probleme mit dem Fremden bzw. der Fremdheit sind um so größer, "je starrer [...] [ein] Selbstbild ist" bzw. die Normen verfestigt sind. Bogdal (1995) spricht in diesem Zusammenhang von "Modernitätskrisen", die Menschen "erleiden", über deren Köpfe und Lebensgewohnheiten die Entwicklung hinweggeht und die sich in einer "sozial, ökonomisch und kulturell unsicheren Lebenssituation" befinden. Gerade diese Gruppe identifiziert sich in besonderem Maße mit den als "richtig" empfundenen Normen, gerade bei diesen verunsicherten Menschen verbuchen Rechtsverführer mit ihren rassistischen Parolen die größten "Erfolge". Sicherlich - und darauf wurde bereits hingewiesen - fasziniert das Fremde auch, wenn auch dieser Aspekt - zumindest bezogen auf das Thema der Unterrichtseinheit - leider oft in den Hintergrund rückt. Wir können hinzulernen, Neues lernen, evtl. sogar das Eigene - unsere Normalitätsvorstellungen - in Frage stellen oder gar verändern.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 



5. Begründungen zur Didaktik

5.1 in Bezug auf die Rahmenrichtlinien

Die Rahmenrichtlinien für das Fach Welt- und Umweltkunde schreiben das Thema "Wir leben mit Menschen anderer Kulturkreise zusammen" aus dem Themenbereich "Menschen verschiedener Kulturkreise leben zusammen" für die Orientierungsstufe in Niedersachsen verbindlich vor.

Unter den dort aufgeführten zu behandelnden Inhalten - geographische und klimatische Bedingungen des Herkunftslandes, Leben der Bevölkerung, Kultur, Sitten, Religion, Vorurteile den anderen gegenüber, Ablehnung, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit etc. - taucht das Thema der heutigen Stunde "Lebensgefühl in der Fremde" nicht ausdrücklich aufgelistet auf.

Meiner Ansicht nach stellt sich eine Behandlung dieser Unterrichtseinheit ohne diesen sehr bedeutenden Aspekt als nur oberflächlich dar. Schließlich geht es hier um den grundlegenden Versuch, sich in die Menschen, die als Fremde nach Deutschland kommen, hineinzuversetzen und somit Verständnis ihnen gegenüber zu erlangen.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 



5.2 in Bezug auf das Fach

Durch den Versuch des Hineinversetzens in das Lebensgefühl von Fremden und durch die Sensibilisierung der SchülerInnen für das Fremde sollen Erziehungsziele wie Toleranz, Würde, Achtung des anderen und der Andersartigkeit, Solidarität mit anderen und auch das Verständnis für andere

angestrebt werden. Das sind die grundlegenden Ziele, die so oder ähnlich formuliert in den Rahmenrichtlinien für das Fach WUK und auch in Grundsatzerlassen zu finden und bei den SchülerInnen zu "entsprechendem verantwortungsbewußtem Handeln" führen sollen, Ziele, die gerade an unserem Thema eigentlich in idealer Weise festgemacht werden können.

Der Umgang mit dem Fremden bzw. dem Fremdsein findet sich bei vielen WUK- Themen, ob es nun um "Ägypten", um das "Leben in vorgeschichtlicher Zeit" oder um das Leben in anderen Regionen geht, doch wird bei diesen Themen die "Fremdheit" oft nicht bewußt und berührt nicht so unmittelbar wie bei unserem Thema. Dabei soll auch unsere Begegnung mit dem Fremden oder der Fremdheit als etwas Normales und nicht als etwas Außergewöhnliches empfunden werden. Gerade hier kann deutlich werden, daß sich viele Kulturen durch andere Kulturen weiterentwickelt haben und dadurch bereichert wurden.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 



5.3 in Bezug auf die SchülerInnen

Das Thema "Fremde" bzw. "Fremdsein" ist den SchülerInnen durch das Zusammenleben und Zusammenlernen mit ihren ausländischen MitschülerInnen bekannt. Es hat gerade in jüngster Zeit im Zusammenhang mit der Ausländerfeindlichkeit in Teilen der neuen Bundesländer und mit dementsprechenden Wahlergebnissen für rechtsradikale Parteien eine erschreckend aktuelle Bedeutung gewonnen, auch dadurch, daß die Parteien in hohem Maße von jungen Menschen gewählt werden. Voraussichtlich wird die gesamte Thematik noch lange unser aller Dasein mit prägen. Somit behandelt die Unterrichtseinheit insgesamt und die Stunde einen Gegenstand, der für die SchülerInnen von anhaltendem/existenziellem Interesse ist.

Das Thema müßte schon allein aus diesem Grunde ein "Muß" für unsere SchülerInnen sein. Um sich - angefangen bei ihren ausländischen MitschülerInnen - in die Menschen anderer Kulturen hineinversetzen und Verständnis und Toleranz jetzt und zukünftig ihnen gegenüber aufbringen zu können, müssen die SchülerInnen für das Lebensgefühl in der Fremde und für das Fremde sensiblisiert werden.

Das Fremde bzw. das Fremdsein wird nichts Unbekanntes für jeden von uns sein. Sicherlich werden sich alle schon mal ausgeschlossen oder "anders" gefühlt haben. Die eigenen Gefühle sollen ein Denk- bzw. Gefühlsanstoß sein, um sie auf die Lebenssituation fremder Menschen zu übertragen.

Somit müßten die SchülerInnen schließlich durch diese selbst gemachten Erfahrungen - die eventuell den SchülerInnen nur bewußt gemacht werden müssen - die Situation fremder Menschen leichter verstehen lernen, d.h. nur dann, wenn sie selbst einen ganz persönlichen Zugang zu dem Gefühl des Fremdseins gefunden haben, können sie auch ein tieferes Verständnis für die Lebenssituationen anderer Menschen gewinnen.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 



6. Begründungen zur Methode

Die Unterrichtsstunde beginnt in der Einstiegsphase mit einer Erzählung, die die SchülerInnen in der "Du- Form" anspricht. Davon erhoffe ich mir einerseits eine Erhöhung der Konzentrationsbereitschaft der SchülerInnen, andererseits - und das ist vorrangiger - sollen sie sich dadurch selbst - jeder für sich - in die Situation des Fremdseins langsam einfinden und einfühlen können. Die emotionale Distanz zum Unterrichtsgegenstand soll möglichst verringert oder sogar abgebaut werden.

Eine Alternative zur Geschichte wäre das Spiel "Fremdsein", angelehnt an I. Scheller. Hier geht es darum, daß drei SchülerInnen den Raum verlassen und daß sich die anderen über eine Sache unterhalten, für die sie andere Begriffe abgesprochen haben. Für außenstehende Beobachter - in dem Fall die drei SchülerInnen, die dann in den Raum gebeten werden - ergibt ein solches Gespräch keinen Sinn. Sie können am Gespräch nicht teilnehmen und verstehen nichts. Anschließend erzählen sie, wie sie sich gefühlt haben. Ziel dieses Spiels ist es also, daß sich die nicht informierten SchülerInnen in die Situation eines fremden Menschen versetzen, der sich fremd, einsam, anders, allein etc. fühlt. Die Idee, dieses Spiel in dieser Lerngruppe durchzuführen, habe ich aber verworfen, weil ich das Benutzen anderer Begriffe für eine Sache und das zusätzliche Ausdenken von Geschichten als zu abstrakt und schwierig für ein 5. Schuljahr empfinde. Hinzu kommt, daß nur die drei SchülerInnen in die Situation des Fremdseins versetzt würden. Bei unserer Geschichte hingegen wird der Versuch unternommen, alle in die Situation des Fremdseins einzuführen.

Nachdem ich die Erzählung vorgetragen habe, gebe ich - in der Hinführungsphase- den SchülerInnen die Gelegenheit, sich spontan zu äußern.

Gegen die Möglichkeit, direkt im Anschluß an die Geschichte ein Folienbild mit dem Kind, anders aussehenden Menschen, fremden Schriftzeichen, unbekannter Umgebung u.a. zu zeigen, habe ich mich entschieden, um die Vorstellungskraft, die sich aus dem Hören der Geschichte ergibt, nicht zu stören und um die SchülerInnen in ihren Äußerungen nicht zu bremsen. Vermutlich würde ihre Vorstellung mit dem Folienbild auch nicht übereinkommen, so daß sie verwirrt wären und nicht wüßten, ob sie sich noch zur Geschichte oder zu dem Bild äußern sollen.

In der sich nun anschließenden Erarbeitungsphase präsentiere ich den SchülerInnen dagegen ein Folienbild, das lediglich der Veranschaulichung der Geschichte dient, auf dem nur ein Kind zu sehen ist, nämlich sie selbst:

Damit sich jeder einzelne aus der Lerngruppe auch angesprochen fühlt und sich in diesem Bild auch wiederfindet - schließlich bezieht sich ja das Bild auf die zu Beginn der Stunde vorgetragene Geschichte - ist hier nur der Umriß des Kopfes sichtbar. Jeder soll sich möglichst selbst in diesem Umriß wiedererkennen.

Den nicht sehr ansprechenden Umrißkopf, der natürlich schnell "Gesicht" annehmen kann, nehme ich aus diesem Grunde in Kauf.

Da die Körperhaltung sowie auch der Gesichtsausdruck sehr aufschlußreich sein können für die Interpretation von Gefühlen und Gedanken eines Menschen, ist das Kind nicht in voller Körpergröße zu erkennen, sondern nur sein Oberkörper.

Dieses ist auch entscheidend für das in der Präsentationsphase stattfindende Vorstellen der Ergebnisse in Form eines Standbildes. Wäre das Kind in voller Größe abgebildet, so wären die SchülerInnen leicht dazu geneigt, das Bild nachzustellen. Da dieses aber nicht möglich ist, erfordert das Standbildbauen mehr Kreativität von den SchülerInnen.

Nachdem ich das Folienbild nur kurz eingeführt habe,zeige ichden SchülerInnen Wortkarten, die mit Gefühlsbegriffen beschriftet sind und aus denen sie die Begriffe dem Folienbild zuordnen, die ihrem eigenen "Gefühl nach" zum Fremdsein passen.

Die Erarbeitung des Themas soll und kann aber nicht allein auf dem Vorstellungsvermögen der SchülerInnen beruhen, so daß vorgegebene Gefühlsbegriffe der Erarbeitung der Charakterisierung des Fremdseins dienen.

Es ist durchaus möglich, auch positive Begriffe dem Fremdsein zuzuordnen, da man eventuell in der Heimat etwas Negatives zurückgelassen hat.

"Schwarz- weiß- Malerei" soll möglichst vermieden werden.

Eine Alternative zum Auswählen von vorgegebenen Gefühlsbegriffen wäre die Erarbeitung eines allgemein gehaltenen Textes zum Gefühl in der Fremde, in dem die SchülerInnen die Wörter heraussuchen würden, die ihrem "Gefühl" nach mit dem Wort "fremd" zu tun haben. Die Idee der Texterarbeitung habe ich verworfen, da sie vorrangig auf der kognitiven Lernebene abläuft und somit eventuell die affektive Ebene blockieren könnte.

In der Vertiefungsphase sollen die SchülerInnen in Gruppenarbeit die Gefühle des Kindes, das auf dem Folienbild und auf ihrem Arbeitsblatt zu sehen ist, in eigenen Worten und möglichst konkret formulieren. Für diese Arbeitsform habe ich mich entschieden, da die SchülerInnen hier gemeinsam über die Gefühle des Kindes (eigentlich über ihre möglichen eigenen Gefühle in der Situation des Fremdseins) in der Fremde sprechen und diese ausformulieren können.

Die Gruppenarbeit widerspricht eigentlich der Intention, den einzelnen anzusprechen. Dennoch greife ich darauf zurück, weil die SchülerInnen sich gegenseitig helfen sollen. Außerdem sind ja auch mehrere Gedanken- bzw. Sprechblasen vorgesehen, so daß jeder eine entsprechende Bemerkung machen könnte.

Gerade im Zusammenhang mit der Absicht, jede/n einzelne/n ansprechen zu wollen und somit zu versuchen, jede/n so nah wie möglich an die Situation des Fremdseins zu führen, steht das Problem des Ansprechens der SchülerInnen durch die Lehrkraft. Zu Beginn der Stunde werden die SchülerInnen in der Erzählung zwar einzeln angesprochen, aber im Verlaufe des Unterrichtsgeschehens wird das nur schwer möglich sein, wenn beispielsweise die Folie vorgestellt oder aber der Arbeitsauftrag für die Gruppenarbeit formuliert wird. An der Stelle würde es sich als einfacher erweisen, von dem Kind in der dritten Person Singular zu sprechen.

Beim Ausformulieren der Gefühle soll darauf geachtet werden, die Gefühle mit "weil" zu begründen, um sie zu konkretisieren und sie mit "Ich ..." beginnen zu lassen, um die SchülerInnen emotional näher an das Gefühl des Fremdseins zu führen bzw. sie vielleicht sogar in diese Situation hineinzuversetzen.

Die Bearbeitung dieser Aufgabe wird durch das Füllen von Gedanken- bzw. Sprechblasen vorgenommen, die um das auf dem Arbeitsblatt zu sehende Kind "schweben". Auf dem Arbeitsblatt werden die Sätze vorgeschrieben, um einen Überblick über sie zu haben. Gleichzeitig - aus Zeitgründen - werden die Sätze von jedem einzelnen Gruppenmitglied auf großformatige Tonpapiergedanken- bzw. - sprechblasen geschrieben, um sie bei der Präsentation der Ergebnisse an das Standbild - für alle sichtbar - halten zu können.

Diese Sprech- bzw. Gedankenblasen stehen hier also wieder für einen eigenen gedanklichen und emotionalen Raum. Sie dienen zusätzlich auch der Unterstützung und Anregung der Vorstellungskraft.

Aus den eben genannten Gründen habe ich davon Abstand genommen, die Gefühlssätze nur "einfach" untereinander aufzulisten.

In der Präsentationsphase stellen die Gruppen ihre Ergebnisse im Halbkreis vor, damit der vorstellenden Gruppe eine "Bühne" geschaffen werden kann und sie von allen gut zu sehen sind. Die Ergebnisse werden in Form eines Standbildes dargestellt.

Beim Bauen eines Standbildes handelt es sich eigentlich um eine Einstiegsmethode in ein neues Thema, um die Vorstellungen und Einstellungen der SchülerInnen zu/von bestimmten Situationen, Themen oder Problemen zu klären. Hier dient das Standbildbauen jedoch der Präsentation der Gruppenergebnisse, bei denen es ja schließlich auch um Einstellungen - genauer gesagt - um Gefühle geht. Des weiteren "liefern [Standbilder] [...] eine körperlich- sinnliche [und vor allem auch anschauliche und nicht abstrakte] Darstellung" von Gefühlen und Gedanken.

Das Standbild wird hier durch ein Gruppenmitglied, das der Regisseur ist und ein anderes Gruppenmitglied "gebaut", erstellt. Nach einer nur kurzen Erstarrungsphase halten die anderen Gruppenmitglieder ihre beschrifteten Tonpapiergedankenblasen an das Standbild. Diese werden dann vorgelesen. Dieses wirkt veranschaulichend, da es genau das Abbild des Arbeitsblattes darstellt.

Die anderen Gruppen sollen darauf achten, ob sich ihre eigenen Ergebnisse mit den bereits vorgestellten decken und ob das jeweilige Standbild zu den Sprechblasen paßt.

Es wird darauf verzichtet, die Gruppen nach dem Bau des Standbildes zu fragen, warum sie gerade das Standbild so gebaut haben, da die Sprech- bzw. Gedankenblasen bereits für sich sprechen und keiner weiteren Erläuterung bedürfen.

Nach dem Vorstellen der Ergebnisse sollen die Sprech- bzw. Gedankenblasen an die Wand gehängt werden, damit sie im Laufe der Unterrichtseinheit immer wieder präsent bleiben und die SchülerInnen bei Bedarf auf sie zurückgreifen können.

Können aus zeitlichen Gründen nicht die Ergebnisse aller Gruppen in Form der Standbilder dargestellt werden, so wird dieses in der darauffolgenden Stunde fortgesetzt.

Bei eventuell noch verbleibender Zeit soll ein Vergleich der einzelnen Sprechblasen vorgenommen werden.



zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde 

Anlagen zur Unterrichtsstunde "Lebensgefühl in der Fremde"

- Anlage 1: Erzählung

- Anlage 2: Folie und Arbeitsblatt (Kopfumriß des Kindes)

- Anlage 3: Wortkarten "Gefühlsbegriffe"

- Anlage 4: Arbeitsblatt "In der Fremde"
 
 

Die Verlaufsplanung lege ich nach folgendem Schema an:
 
Zeit/
Phase/ 
Ziele
Geplantes Lehrerverhalten, Lernorganisation 
Erwartetes Schülerverhalten
Aktionsform/
Medien/ 
Sozialform/ 
methodisch-didaktischer Kurzkommentar

MstrStdplng



Stundenverlaufsplanung   (im Querformat DIN A4)
 
Zeit/
Phase/ 
Ziele
Geplantes Lehrerverhalten, Lernorganisation 
Erwartetes Schülerverhalten
Aktionsform/
Medien/ 
Sozialform/ 
methodisch-didaktischer Kurzkommentar
ca. 9.30- 9.37h

Einstieg

FZ 1

- Begrüßung der Ss, Vorstellung des Besuchs

- L. trägt Geschichte vor. 


 
 

- Ss hören zu.

LV, 
 
 

Hufeisen

Erzählung ist für die Ss motivierend, bindet ihre Aufmerksamkeit und stellt den Unterrichtsgegenstand der Stunde vor.
ca. 9.37- 9.42h

Hinführung

FZ 1

- L. wartet auf spontane Äußerungen der Ss und notiert sie an der Tafel.

evtl.DA: Wie fühlt Ihr Euch in diesem neuen Land?

- S. äußern sich. 

 

UG, Schülerkette, 

Tafel,

Hufeisen

Methode ist eingeübt; Spontanäität wird genutzt; ich erkenne Erreichung LZ1; Tafelsammlung würdigt die Ss-Äußerungen und wirkt anregend auf Passive
ca. 9.42- 9.50h

Erarbeitung 
 
 

FZ 2

FZ 3

- L. zeigt Folie und erläutert kurz das Bild.

- L. verteilt Bild, in das sie ihr Gesicht malen sollen.

- L. fordert die Ss auf, die zum Folienbild passenden Begriffe auszudenken oder auszusuchen und an die Wand zu hängen, bietet ggf. Wortkarten an.

- Ss malen ihr Gesicht in den Kopfumriß des Bildes.

- Ss suchen die zum Folienbild passenden Begriffe oder Wortkarten und befestigen sie an der Wand; mehrere Ss nehmen gleichzeitig Wortkarten und kleben sie an die Wand

EA, 

Folienbild, TLP, 

Folienbild als Arbeitsblatt,

Wortkarten, "Gefühle", 

Hufeisen

Identifikationsmöglichkeit wird gefördert; Wortsuche oder -auswahl = Binnendifferenzierung; Aktionswechsel, Ss können sich bewegen
ca. 9.50- 10h

Vertiefung, Festigung
 
 

FZ 4 

- L. erläutert Zielsetzung Standbild und fordert die Ss auf, mit den dem Folienbild zugeordneten Begriffen Sätze zu bilden, die die Gefühle darstellen, und diese in Gruppenarbeit auf einem Arbeitsblatt (und zusätzlich auf großformatigen Gedankenblasen) zusammenzutragen - Ss setzen sich zu eingeübter GA-Sitzordnung (nur Stühle werden umgestellt)

- Ss arbeiten in Gruppen.

GA,

Arbeitsblatt, große Papp-gedankenblasen, Edding, GA-Sitzordnung

Binnendifferenzierung innerhalb d. Gruppen: feinmotorische und grobere Arbeit; Arbeitsorganisation innerhalb der Gruppen fordert Koordinierungstalent; Aktionswechsel erlaubt wiederholende Gedankengänge, bietet durch Gedankenaustausch Erweiterung und Korrektur durch Mitschüler
ca. 10- 10.15h

Präsentation,

Vorbereitung der Sicherung der Arbeitsergebnisse
 
 

FZ 5

- L. fordert die Gruppen zur Präsentation der Ergebnisse in Form eines Standbildes im Halbkreis auf; löst dann jeweils das Standbild auf.

- Ggf. (bei Zeitknappheit) erklärt L, daß die anderen Gruppen ihre Ergebnisse in der folgenden Stunde vorstellen. 

- bei verbleibender Zeit fordert L zum Vergleich auf

- Gruppen präsentieren ihre Ergebnisse in Form eines Standbildes im Halbkreis (Stuhlreihe + Fußbodensitzer).

- Nach der Präsentation der einzelnen Gruppen legen die Ss ihre Sprechblasen in die Mitte des Halbkreises. (Da diese Stunde nicht im Klassenraum der Klasse 5b stattfindet, werden die Sprechblasen in der folgende Stunde dort an der Wand befestigt.)

Standbild, 

Pappgedankenblasen, 
 
 

Sitz-Halbkreis, 

Standbilder sind für sich motivierend, deshalb bedarf es wohl keiner besonderen Sicherung der Aufmerksamkeit in der Präsentationsphase; Sprechblasen dienen der Lernzielkontrolle und der Sicherung der Arbeitsergebnisse und in der Folgestunde zum Anknüpfen an diese Stunde.
MstrUVerl
zurück zum Seitenanfang dieser Unterrichtsplanung               zurück zur Seite Fachseminar Sozialkunde